Das Falsche gegen das Falsche – Verklärungen und Erinnern als Höchste Form des Vergessens

Die autoritäre Wende und die zunehmenden faschistischen Tendenzen bedrohen nicht nur die Aussicht auf das schöne Leben sondern auch die Erinnerung an die Shoah und das auf sie bezogene „Nie wieder“. Umso unerträglicher ist es, dass das Bündnis Kufiyas in Buchenwald heute, am 81. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald, gegen die Gedenkstätte mobilisiert

Die verschiedenen Akteurinnen des Bündnisses sind in der Vergangenheit unter anderem durch die Verklärung der Hamas und des 7. Oktobers 2023 zum antiimperialistischen Widerstand aufgefallen, sowie die Unterstützung des vernichtungsantisemitischen Regimes im Iran.

Wer an solch einem Tag gegen einen Ort der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen auftrifft, macht deutlich, worum es tatsächlich geht: um eine diskursive Verschiebung, in der Antisemitismus normalisiert und die historische Präzedenzlosigkeit der Shoah relativiert wird. Widersprüche und Krisenerscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft werden nicht begriffen sondern personifiziert und hier auf die Gedenkstätte projiziert. Das Leid in Gaza wird instrumentalisiert und die Not der Palästinenserinnen verkommt hinter der ideologischen Agenda der Akteurinnen.

Ebenfalls kritisieren wir die Teilnahme von Wolfram Weimer an der Gedenkveranstaltung als auch das ritualisierte Gedenken innerhalb der BRD an sich. Mit der Entscheidung drei linke Buchläden von der Teilnahme am Buchhandlungspreis auszuschließen, trägt Weimer maßgeblich bereits erwähnten autoritären Wende bei.

Auch zwei Buchenwald-Verbände lehnen die Teilnahme von Weimer ab und äußerten sich wie folgt: »Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt«.

Grade dieser Wiederspruch verweist auf ein grundlegendes Problem der deutschen Erinnerungskultur. Wenn Akteure die zur Einschränkung einer kritischen Öffentlichkeit beitragen, gleichzeitig Vertreter des Gedenkens werden, dann ist Gedenken keine radikale Selbstkritik der Gesellschaft sondern Teil ihrer Integration. Die Gesellschaft erscheint als geläuterte und Erinnern erfüllt den ideologischen Zweck der Aufrechterhaltung des Status quo anstatt zu vergegenwärtigen das der Status quo, um die erneute Katastrophe abzuwenden, überwunden werden müsste. Buchenwald dient hier ebenfalls nur als Projektionsfläche des Wunsches der langersehnten Wiedergutwerdung der Deutschen durch bürgerlich Konservative und ihr Versöhnungstheater.

Deshalb solidarisieren wir uns mit der Gedenkstätte Buchenwald. Für eine emanzipatorische, antiautoritäre und radikale Linke.
Gegen jeden Antisemitismus und gegen den deutschen Normalzustand.